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Etappe 5: Von Royan nach Anglet (Biarritz)

Fotos von oben nach unten und von li nach re: 1. Foto: Eddas Fußstapfen Richtung Meer. 2. Foto: Ein Besucher genießt die Aussicht. 3. Foto: Aussichtsturm aus Holu auf der Anhöhe. Weitblick garantiert. 4. Foto: Edda und Bonzo nach einer wilden Laufrunde. Edda ist erschöpft. Bonzo hat schon neue Ideen.


Das Hotel in Royan verlassen wir gegen 10:00 Uhr. Ich habe im Internet gelesen, dass es in der Stadt eine evangelische Kirche gibt. Leider stehen die Zeiten des Gottesdienstes nicht dabei. Protestant in Frankreich zu sein ist schon was Besonderes. Die Gemeinde finde ich dank Navi schnell. Sie ist gar nicht weit weg vom Hotel und hat einen eigenen geräumigen Parkplatz. Das ist natürlich super, weil ich die Hunde bei halb geöffneten Fenstern im Auto lassen muss. 

 

Der Gottesdienst hat bereits angefangen. Freundlich drückt mir eine ältere Frau (wahrscheinlich die Gemeindehelferin) ein Gesangbuch und einen Zettel mit dem liturgischen Ablauf des Gottesdienstes in die Hand. Der Raum ist gerammelt voll mit Leuten. Ich finde in der letzten Reihe noch einen Platz neben einem afrikanischen Paar. Der Mann gibt mir sein aufgeschlagenes Gesangbuch. Er hat ein offenes, freundliches Gesicht. Die Pastorin stammt ebenfalls aus Afrika. Es ist für mich schön, ihren Akzent zu hören. Vielleicht ist sie aus Kamerun oder dem Kongo? Aus meiner Zeit in Südafrika habe ich mich an die verschiedensten Akzente gewöhnt, und ich erlebe das Eintauchen in die verschiedenen Sprachfarben immer wieder als sehr bereichernd. 

 

So sehr ich alte Kirchen mag, so interessant finde ich, dass dieser Gottesdienst etwas Besonderes ist, obwohl er in einem wenig ansprechendem großen Raum stattfindet. Die Atmosphäre passt einfach.

 

Nach dem Gottesdienst finde ich auf meinem Handy eine Nachricht einer lieben alten Freundin aus dem Odenwald. Wir haben uns in den Jahren nach meiner Trennung und Scheidung etwas aus den Augen verloren. Ich rufe Christa zurück, und sie ist überhaupt nicht erstaunt, dass ich mich gerade auf dem Weg in mein neues Leben nach Gran Canaria befinde. "Bei manchen Leuten ändert sich nie was und bei anderen immer wieder" meint sie. Einfach so. Es klingt in keiner Weise bewertend.

Tatsächlich hat es in meinem Leben immer wieder geografische Veränderungen gegeben. Zuletzt habe ich mich wirklich gefragt, ob es nicht allmählich an der Zeit ist, in ein Mobile Home zu ziehen. Aber das wäre auf Dauer vielleicht doch etwas beengt. So sehr ich den aktuellen Wechsel als Chance, Jung bin ich nicht mehr, aber auch noch nicht "ancient", wie eine andere, ältere Freundin von sich selbst sagt. Mit anderen Worten: es geht noch etwas. Und wer weiß, wie sich die Puzzleteile zusammenfügen. Oft weiß man erst im Nachhinein, warum, was wie gekommen ist. Sicherlich würde ich mich jetzt nicht trauen nach Gran Canaria zu gehen, wenn ich nicht Spanisch freiwillig als 3. Fremdsprache genommen und damals einen wirklich fähigen Lehrer gehabt hätte. Was haben wir über ihn geflucht, weil er so hohe Ansprüche an uns Schüler hatte und ohne mit der Wimper zu zucken auch Sechsen verteilte, wenn man die Leistung nicht brachte. Im Nachhinein muss ich sagen: wir haben bei ihm eine wirklich gute Basis mit auf den Weg bekommen.

 

Und nun zurück zur Reise:

 

In Anglet (Biarritz) sind wir nach gut 5 Stunden Reise (inklusive Pausen) eingetroffen. Das Hotelzimmer entpuppt sich als Apartment mit Teeküche. :) Es ist alles da, das Hotel hat aber schon bessere Zeiten gesehen. Es geht allerdings noch schlimmer. Direkt am Wasser steht ein hässlicher, gigantischer Bau, der aussieht, als würde er vor sich hinrosten, auch wenn er sicherlich aus Beton ist und nicht aus Stahl. 

 

Das Wetter ist durchwachsen und sehr windig. Man muss sich warm anziehen. Zwischendrin kommt die Sonne raus. Edda ist wie immer mit allem zufrieden, Bonzo kriegt sich nicht mehr ein vor Fremdgerüchen, was mich wiederum nervt. Manchmal wäre ein Großhirn auch bei (männlichen) Hunden gut. Wir unternehmen einen längeren Spaziergang zum Strand. Leider bekomme ich mal wieder nichts Warmes zu essen, da in Frankreich die warme Küche erst um 19 Uhr aufmacht. Da sind wir aber schon wieder im Hotel. Da die Misosuppe alle ist, machen ich mir einen Ingwertee  mit Honig. Das macht auch satt.