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Etappe 2: Vom Odilienberg (Elsaß) nach Troyes (Aube), Frankreich

Fotos von li nach re und von oben nach unten:

Ein typisches Weindorf auf dem Weg zum Odilienberg: hier wird einem die Entscheidung abgenommen, wo abbiegen. Wenn's im Leben auch immer so klar wäre. :)
Fotos 2 und 3: Es geht den Berg hoch, immer weiter hinauf in die Vogesen bis es neblig wird und am Stück regnet, während die Temperaturen bergab gehen. Nach guten 35 Kilometern wieder bei ca, 7 Grad fast im Flachland. Ein Blick aufs Navi zeigt, wo wir sind. Auf den Autobahnraststätten sind Hunde nicht erwünscht (siehe Verbotsschild),

Ankunft im Hotel in Troyes (ehemalige Fabrik). Bonzo checkt die Aussicht vom 5. Stock aus. Danach Spaziergang in die Altstadt (immer im 2-er Pack). Die letzten beiden Fotos zeigen den Speisesaal des  Zenao Aparthotels. Hier kann man bei rauschenden Wassermassen (Seitenarm der Seine) ein bescheidenes Frühstück zum etwas zu hohen Preis von € 9 einnehmen.


Als wir am Morgen des 1. März gegen 9:30 vom Hotel in Obernai aus (ein Minizimmer, eher eine Kombüse) Richtung Troyes starteten, war das Thermometer um gut zwölf Grad gesunken, und es regnete. Ich war echt froh, dass wir noch am Vorabend den Odilienberg aufgesucht hatten. Nun wollte ich die Reste des von der Hl. Ottilie im 7. JH. gegründete Kloster Niedermünster (unterhalb des Odilienberges) besuchen, doch das Navi führte uns im Kreis herum, und die Straßen waren leer. Sprich, es gab keine Möglichkeit, sich durchzufragen.

 

Also stellte ich auf dem Navi unser nächstes Ziel (Troyes, rund 61.000 Einwohner, Département Aube, rund 380 Kilometer von Obernai entfernt) ein und fuhr los.

 

Das letzte Mal war ich als etwa zwölfjährige Schülerin mit dem Gymi in den Vogesen gewesen, um meine ersten Versuche auf der Skipiste zu machen. Ich kann mich an kalte, neblige Tage, viel Schnee und den "Genuss" von Weinbergschnecken erinnern. Zugegebenermaßen hatte ich mich diesmal nicht um Vorfeld um Details zur Route durch dieses Gebirge gekümmert. Ich musste durch, also würde es schon irgendwie klappen. Als dann die ersten Schilder auftauchten mit dem Hinweis auf Winterausrüstung und Schneeketten, gefolgt von hohen, schlanken Straßenmarkierungen, schockierte mich dies auch nicht. Im Oberallgäu und auf meinem täglichen Weg zu meinem ehemaligen Arbeitsplatz in Balderschwang, der über den Riedbergpass führte, sah es schließlich auch nicht viel anders aus. Nach gut 30 Kilometern im Nebel mit gerade mal fünf weiteren Autos, die unseren Weg kreuzten, fühlte ich mich dann doch mehr wie Rotkäppchen. Nur, dass der Wolf bei mir im Fußraum des Beifahrersitzes pennte und harmlos war. Nachdem es dann immer stärker regnete und zugleich die Temperaturen gen zwei Grad rutschten, fand ich es an der Zeit, die Vogesen und dessen dunklen Wälder wieder zu verlassen.

 

Im Dörfchen Chalet hielt ich an, um - immer noch bei strömenden Regen - eine historische Kirche zu besuchen.

Leider war sie innen wenig einladend. Ziemlich herunter gekommen, dunkel, feucht und kalt. Ein riesiges Gotteshaus, mittlerweile wahrscheinlich viel zu groß geworden für eine schwindende Gemeinde. Traurig.

 

Der weitere Weg über gut ausgebaute Nationalstraßen und Autobahnen bis hin nach Troyes war völlig stressfrei. An Mautgebühren zahlte ich etwa 12 Euro.

 

Nachmittags trafen wir in Troyes ein. Ich parkte den Wagen zunächst auf einem in Wasser stehenden Sandparkplatz vor der gebuchten Bleibe "Appart'hotel Zenao". Eine in ein Hotel verwandeltes ehemaliges Fabrikgelände, an dem direkt ein Seitenarm der Seine vorbeirauscht. Der Wechsel vom Hotel in Obernai/Elsaß ins "Appart'hotel" glich einem Umzug von einer spartanischen Kombüse in eine Suite. Und das zum gleichen Preis. "Apparthotel" bedeutete tatsächlich, dass es sich um ein Apartment handelte mit Wohnraum (Teeküche integriert), Schlafraum, Bad und einem geräumigen Balkon mit Ausblick. Bonzo belegte diesen sofort und kam dem nach, was er am liebsten mag und am besten kann: Position beziehen und beobachten, was draußen passiert. Und dann auch noch zu ihm genehmen Temperaturen von etwa 10 Grad.

 

Für das Auto buchte ich einen Parkplatz im abgeschlossenen Parkbereich (5 Euro). Das war mir lieber, denn meine Kiste ist voll gepackt. Um nicht jeden Tag komplett ausladen zu müssen, hatte ich für 3-4 Tage ein Bordcase mit allem Nötigen für mich gepackt, eine große Einkaufstasche mit den Hundesachen und noch eine Laptoptasche, die ich nie im Auto lasse.

 

In Troyes unternahmen wir eine kleine Tour in die Altstadt, und als alter Frankreichfan war ich berührt zu sehen, dass die Stadt sich ganz offenbar bemüht, die alten Gemäuer zu erhalten und zu sanieren. Dazwischen moderne Akzente setzt, wie z.B. ein rot angestrichenes Brückengeländer aus Eisen (siehe Foto mit den Hunden).

 

Positiv überrascht war ich von den Reaktionen der Leute gegenüber meinen Hunden. Normalerweise ist La France eher ein Katzenland, Hunde nicht ganz so beliebt. Hier aber gab es viele freundliche Blicke und Kommentare wie "Qu'est-ce que vos chiens sont beaux" ("was sind ihre Hunde schön"). Das ging der Hundeführerin natürlich runter wie Butter. :)

 

Einen draufgemacht haben wir nicht mehr. Gegen 22.00 Uhr sind wir müde auf unsere Lager gesunken. Ich mit einer Bettflasche. Man kann mit so wenig zufrieden sein.